Vielleicht war unser Appell bisher zu leise. Vielleicht haben wir nicht deutlich genug gemacht, worum es wirklich geht: Es geht um Respekt, um verfassungskonforme Gerechtigkeit – und um bares Geld auf deinem Konto. Jetzt ist Zeit für absolute Ehrlichkeit.
Viele Kolleginnen und Kollegen haben in den letzten Jahren keinen Widerspruch eingelegt. Sie denken vielleicht: „Ich erwarte keine Nachzahlung aus der Vergangenheit, das betrifft mich doch gar nicht.“
Ein fataler Irrtum.
Wer glaubt, der Berliner Senat würde von sich aus einlenken, verkennt die Realität. Selbst wenn jetzt noch Widersprüche geschrieben werden: Wenn wir als Beamtenschaft stumm bleiben, verpufft jedes juristische Papier. Die Politik sitzt das Problem einfach aus. Das bedeutet im Klartext: Auch in Zukunft wird es in Berlin keine amtsangemessene Besoldung geben – weder für die Aktiven noch für die Versorgungsempfänger.
Der Blick über die Stadtgrenze zementiert die Absurdität
Man muss nicht weit fahren, um zu sehen, was schiefläuft. Ein Blick nach Brandenburg genügt:
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Schule & Bildung: Brandenburger Lehrkräfte profitieren längst von fairen, verfassungskonformen Strukturen – während Berlin trotz extremer Belastungen an den Schulen spart.
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Innere Sicherheit & Feuerwehr: Ob Schutzpolizei, Justizvollzug oder Brandbekämpfung: Wer wenige Kilometer weiter im Umland seinen Dienst tut, hat am Monatsende spürbar mehr im Portemonnaie – bei oft deutlich geringerer Einsatzdichte.
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Justiz & Verwaltung: In der Hauptstadt explodieren Mieten und Lebenshaltungskosten, doch bei der Besoldung bleibt Berlin das traurige Schlusslicht.
Die Resonanz ist da – quer durch alle Ressorts
Die täglichen Rückmeldungen an unser Projekt zeigen: Wir stehen nicht allein. Es gibt keine Berliner Behörde, aus der wir kein klares Signal bekommen:
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Aus den Einsatzabteilungen der Polizei und des Justizvollzugs
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Von den Wachen der Berliner Feuerwehr
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Aus den Kollegien aller Schulformen
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Von den Richterbänken und Geschäftsstellen der Berliner Justiz
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Aus den Sachgebieten der Finanz- und Steuerverwaltung sowie den Bezirks- und Senatsämtern
Der Konsens ist eindeutig: Die Grenze des Zumutbaren ist längst überschritten. Wir reden über rund 70.000 aktive Beamtinnen und Beamte – und über weit mehr als 50.000 Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger. Zusammen sind wir mehr als 120.000 Menschen!
Ein ehrlicher Appell an über 50.000 Pensionäre: Eure Zeit ist unser größtes Pfund
Liebe Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand: Eure Versorgungsbezüge sind direkt an die Grundbesoldung gekoppelt. Wird das Gehalt der Aktiven künstlich kleingerechnet, verliert ihr Monat für Monat bares Geld auf dem Pensionskonto. Ihr seid keine Randnotiz – ihr seid das Fundament.
Während die Aktiven im Schichtdienst, vor überfüllten Klassen oder unter Aktenbergen rotieren, habt ihr das wertvollste Gut in der Hand: zeitliche Freiheit.
Und Hand aufs Herz: Muss so ein Aktionstag trocken und verbissen sein? Ganz im Gegenteil! Rauskommen, an der frischen Luft sein, bei einer Tasse Kaffee mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen und Anekdoten aus Jahrzehnten im Dienst austauschen. Man lernt neue Menschen auf gleicher Wellenlänge kennen – vielleicht die Kollegin aus der Schule oder den Kollegen aus der Steuerverwaltung –, entdeckt gemeinsame Interessen und knüpft echte Freundschaften. Manchmal springt dabei sogar ein ganz neuer Funke über. Es ist ein Vormittag für eine gerechte Sache, der schlicht und ergreifend guttun und Spaß machen darf!

Bilder KI generiert
Die Rechnung, die keine Ausreden zulässt
Für einen stadtweiten, aufsehenerregenden Aktionstag brauchen wir keine Massendemonstration. Es reicht eine Handvoll Entschlossener:
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9 zentrale Standorte im Berliner Stadtgebiet
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3 Schichten über den Tag verteilt
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3 Personen pro Infotisch
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👉 9 × 3 × 3 = genau 81 Engagierte
Aus einem Kreis von über 120.000 Menschen genügen gerade einmal 81 Kolleginnen und Kollegen, die sich für einmalig 3 Stunden an einen Tisch stellen.
Wenn wir aus 120.000 Betroffenen nicht einmal 81 Leute zusammenbekommen, wird die Politik unser Schweigen zu Recht als bequeme Zustimmung verbuchen. Bringen wir diese 81 Menschen aber sichtbar auf die Straße, erzeugen wir genau den medialen und politischen Druck, den man im Roten Rathaus nicht mehr ignorieren kann.
Jetzt bist du am Zug: 3 Stunden für deine Würde (und dein Portemonnaie)
Ob du geklagt hast oder nicht, ob frisch verbeamtet oder wohlverdient im Ruhestand: Es ist deine Besoldung, deine Pension und dein Vormittag.

Die Aufforderung war eindringlich genug und das Anliegen ist legitim. Aber die Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser ehrenwerten Sache und die zurückhaltenden Meldung liegen sicherlich – im übrigen auch bei mir – schlichtweg in der Tatsache begründet, dass dieses Thema außer uns Beamte „keine Sau“ interessiert. Bei der derzeitigen Neiddebattenkultur stehen besonders wir Beamte als „privilegierte“ Spezies im Fokus. Siehe Pflegeversicherung und Krankenversicherung. Es ist niemandem vermittelbar, dass wir jetzt auch noch horrende Nachzahlungen und Besoldungserhöhungen erwarten dürfen, während Berlins Kassen leer sind. Das ist es ganz egal, dass wir Opfer eines jahrelangen vorsätzlichen Verfassungsbruches sind. Wo Akzeptanz fehlt und Neid vorherrschend bzw. leicht zu schüren ist, fällt unser Anliegen auf unfruchtbaren Boden. Bei den dickfelligen Politikern hilft nur juristischer Druck in diesem Fall, ansonsten rührt sich keiner. Wir stehen damit allein und ich bin pessimistisch, dass wir keine Solidarität erhalten werden. Ich will die Idee /Engagement nicht schmälern, aber das ist meine persönliche Meinung und Erfahrung dazu, denn selbst im eigenen Umfeld, wenn ich das erkläre, ist die Reaktion meist : „Verfassungsbruch? – Das geht ja gar nicht. Aber soviel Geld, das ist zuviel. Dir/euch geht’s doch trotzdem besser als vielen anderen!“
Lieber O. F.
danke dir von Herzen für deine offenen und ehrlichen Worte. Du sprichst da einen wunden Punkt an, den vermutlich fast jede Kollegin und jeder Kollege im Stillen teilt – und diese Frustration ist mehr als verständlich.
Du hast in deiner Analyse der gesellschaftlichen Stimmung vollkommen recht: Neiddebatten flammen in unserem Land bei fast jedem Verteilungsthema sofort auf – egal ob bei Managergehältern, Bürgergeld, Renten oder eben der Beamtenbesoldung. Die Wahrnehmung von außen („Euch geht es doch gut“) spiegelt selten die tatsächlichen Belastungen, die Verantwortung und vor allem die rechtliche Realität wider. Wenn man dann im privaten Umfeld auf Unverständnis stößt, zermürbt das und lässt einen verständlicherweise pessimistisch werden.
Warum lohnt es sich trotzdem, die eigene Stimme zu erheben und nicht zu resignieren?
* Schweigen wird als Zustimmung gewertet: Wenn wir uns zurückziehen, weil wir Gegenwind oder Unverständnis fürchten, passiert genau das Bequemste für die Politik: Die Sache wird ausgesessen. Wer nicht sichtbar ist, findet in Haushaltsverhandlungen schlicht nicht statt.
* Juristischer Druck braucht Rückendeckung: Gerichtsentscheidungen sind unverzichtbar, aber die Vergangenheit hat gezeigt, wie schleppend und unwillig Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt werden, wenn kein spürbarer Druck aus der Belegschaft dahintersteht. Die Politik bewegt sich erst dann, wenn sie merkt, dass das Thema nicht lautlos in den Akten verschwindet.
* Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht: Es geht im ersten Schritt gar nicht darum, die gesamte Berliner Bevölkerung von heute auf morgen auf unsere Seite zu ziehen. Es geht darum, dass wir selbst aufhören, uns mit der Rolle der still Duldenden abzufinden. Wenn wir nichts tun, überlassen wir die Entscheidungen über unsere eigene Zukunft komplett anderen – und haben im Vorfeld schon verloren.
Deine Skepsis ist absolut berechtigt und gespeist aus jahrelanger Enttäuschung. Aber genau deshalb ist jeder Einzelne, der sich trotz dieser Widrigkeiten aufrafft und Flagge zeigt, so wertvoll. Wir müssen das nicht mit Zorn tun, sondern mit ruhiger, sachlicher Beharrlichkeit: Weil Recht eben Recht bleiben muss – nicht aus Privilegiendenken, sondern aus Respekt vor der Verfassung und unserer täglichen Arbeit für diese Stadt.
Danke dir für den wichtigen Denkanstoß und dafür, dass du dich an der Debatte beteiligst!
100000 Klagen, also Rechtsanhängigkeit, erzeugt viel mehr politischen und justiziellen Druck, als 9 Mitarbeiter an einer Mahnwache, 100000 Widersprüche oder 100000 Postings in einem Forum, das muss jedem klar sein, der Forderung an seinen Dienstherren bzw. Besoldungsgesetzgeber hat.
Und mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.
Lieber Tim,
da triffst du einen absolut wahren Punkt: Klagen sind das juristisch schärfste und unverzichtbare Druckmittel. Sie erzeugen handfeste Haushaltsrisiken, an denen kein Gesetzgeber vorbeikommt.
Dennoch schließen sich der Klageweg und sichtbares Engagement nicht aus – sie verstärken einander:
* Urteile brauchen Nachdruck: Die Praxis zeigt leider oft, wie Entscheidungen jahrelang hinausgezögert oder mit Minimalreparaturen beantwortet werden, wenn ein Thema lautlos in Aktenbergen verschwindet.
* Demokratische Verantwortung: Gerade Beamtinnen und Beamte, die den Rechtsstaat tagtäglich tragen, sollten die Werkzeuge unserer Demokratie selbstbewusst nutzen: Präsenz zeigen, Haltung einnehmen und den Diskurs aktiv mitgestalten.
* Gesichter hinter den Aktenzeichen: Jede Mahnwache und jeder Beitrag erinnert die Politik daran, dass hinter den juristischen Streitwerten Menschen stehen, die jeden Tag Verantwortung für diese Stadt übernehmen.
Die Klage ist das rechtliche Fundament – die sichtbare Präsenz verhindert das bequeme Aussitzen. Beides Hand in Hand entfaltet erst die volle Wirkung.
Danke dir für diesen klaren und wichtigen Denkanstoß!